An dieser Stelle finden Sie aktuelle Pressekritiken.
Kritik zum "Underdogs" (November 2010):
Kritik zum Sommernachtstraum (September 2009):
Nachfolgend die Kritik zu "SAFE":
Anmerkung: In der Premierenkritik wurde als Darstellerin der Irene Rosalba Hartmann genannt. Gespielt hat jedoch Carina Wiene. Dieser Irrtum wurde hier berichtigt.
NEUWIED. Wer selbst je auf einer Bühne gestanden hat, kennt das Lampenfieber vor der Premiere: Der Puls schnellt in die Höhe, Adrenalin schießt durch den Körper, und plötzlich scheinen die Ergebnisse von wochenlangen Proben sich ins Nichts verflüchtigt zu haben. So ähnlich ging es auch den Darstellern im Stück „Safe" von Thomas Bleidiek. Denn die Premiere war für drei der vier Schauspieler gleichzeitig das Debüt auf der Bühne.
Doch nicht nur für die Darsteller war die erste Aufführung eine Feuerprobe. Zum ersten Mal setzte das Kinder-und Jugendbüro der Stadt Neuwied im Rahmen seiner „Jugendtheater Specials" auf eine eigene Produktion.
Und mit dem Ergebnis der sechsmonatigen Probezeit und der Resonanz der jugendlichen Zuschauer konnte das Team zufrieden sein: Mit viel Beifall bedankten sich die Schüler der Landesschule für Gehörlose, der Maximilian-zu-Wied-Realschule und der Heinrich-Heine-Realschule am Ende der Aufführung bei den Darstellern und dem Regisseur Thilo Moeck für die Aufführung. „Ich könnte mir durchaus vorstellen, in dieser Zusammenarbeit jedes Jahr eine eigene Produktion anzupacken", erklärte der städtische Jugendschutzbeauftragte Horst-Peter Robiller nach der Premiere.
Das Stück selbst bot keine leichte Kost: Intensiv mussten sich die Darsteller mit Gedanken und Vorurteilen im Um-gang mit HlV-Infizierten aus-einandersetzen. Doch die Arbeit hat sich gelohnt: Glaubhaft vermittelten Sarah Fais als HlV-infizierte Rita, Carina Wiene als ihre Freundin Irene, Anja Bogdanski als Irenes Mutter Claudia und schließlich Mehmet Yüksül als Said Innenansichten in die Gedanken und Ängste ihrer Figuren: Ritas Wut über die Ignoranz und die Scheinheiligkeit, mit der Mitleid geheuchelt wird, Irenes Angst über eine mögliche Ansteckung bei Said und schließlich Saids Hin- und Hergerissenheit zwischen Irene und Rita schienen realistisch und nachvollziehbar.
Trotz des ernsten Hintergrundes blieb der drohende Zeigefinger unten. „Wer ein ernstes Stück befürchtet, der kann sich entspannen. Das Stück ist eine Komödie - und so spielen wir es auch", hatte Regisseur Thilo Moeck zum Einstieg erklärt. Praktische Aufklärung und kernige Männersprüche boten den Jugendlichen allerhand zum Lachen. Auf die Diskussion mit den Darstellern, dem Regisseur oder den Experten für Fragen zum Thema Aids, Heidi Hoeboer von der Beratungsstelle für sexuelle Gesundheit im Neuwieder Gesundheitsamt und Gerhard Wermter von der Aids-Hilfe Koblenz ließen sich die Zu-schauer dagegen nur sehr zögernd ein.
Einigkeit herrschte jedoch bei den Beteiligten, dass vor allem die Unwissenheit über Aids ein Problem sei. „Vor allem aus Unwissenheit entstehen Ängste", wusste Gerhard Wermter aus der Arbeit mit HIV-Infizierten zu berichten: „Doch die Realität sieht häufig noch härter aus, als sie in dem Stück dargestellt wird." Ärzte lehnen eine Behandlung von Infizierten außer im Notfall ab, Familien und enge Freunde distanzieren sich von den Betroffenen, statt sachlicher Auseinandersetzung bestimmt Hysterie und Angst den Umgang: All dies sind Beobachtungen aus der Arbeit mit HIV-Positiven. Das Ziel des Stückes war, vor allem die menschliche Seite einer solchen schweren Krankheit bewusst zu machen -denn Aids ist trotz aller medizinischen Fortschritte immer noch nicht heilbar. Das ist gelungen, auch ohne erhobenen Zeigefinger oder Moralpredigten, sondern einfach nur mit dem Anstoß zum Nachdenken. Andrea Fehr

Ertappt: Irenes Mutter (Anja Bogdanski) spricht mit ihrer Tochter Irene (Carina Wiene) und deren Freund Said (Mehmet Yüksül). • Foto: Andrea Fehr